Rahden. Eigentlich war es schon immer so. Besondere Anlässe fordern ein besonderes Programm.

Kein Wunder, dass der neue Rahdener Kulturbahnhof mit nichts geringerem eingeweiht wird, als mit dem neuen Bühnenstück des VHS-Laienspieltheaters „Schatulle“. Vom 22. bis 25. April betreten die Amateurschauspielerinnen und –spieler um Edith Stöver und Detthard Wittler mit „Des Bettlers Oper“ die Bühnenbretter, die zukünftig auch ihr neues Zuhause sein werden.

Mit einer schillernden Revue verabschiedete sich die Laienspielgruppe im letzten Sommer von ihrem Publikum aus dem in die Jahre gekommenen Theater im Weher Pavillon. Mit einer amüsanten und turbulenten, zugleich aber auch sozialkritischen Oper für Jedermann, melden sie sich zurück, feiern mit der Premiere den Einzug in ihr neues Domizil und gleichzeitig die Einweihung des neuen Kulturbahnhofs. Aufgrund der verzögerten Umbaumaßnahmen im Bahnhofsgebäude wird derzeit noch im Weher Pavillon auf Hochtouren geprobt, der eigentliche Premierentermin von Anfang März auf den 22. April verschoben.

Auch die pfiffige und gut ausgeklügelte klappbare Kulisse, immerhin wird zwischen sieben verschiedenen Bühnenbildern gewechselt – musste entgegen dem eigentlichen Vorhaben zunächst in Wehe fertiggestellt und aufgebaut werden. „Denn eine Probe ohne Kulisse ist auf Dauer weniger als die halbe Miete“, so Edith Stöver. Das 16köpfige Ensemble hat vom Gefängnis bis zur Wohnstube bei der Bühnenbildgestaltung mit viel Liebe zum Detail gearbeitet.

Stöver war auch dieses Mal bei der Auswahl des Stückes federführend. „Das sozialkritische Stück hat seit je her für mich einen besonderen Reiz“, gibt Stöver begeistert zu. Es spielt zu Beginn des 18. Jahrhunderts, kurz vor Ausbruch der französischen Revolution. In einer Zeit, in der die Reichen immer reicher, die Armen immer ärmer werden.

Ein beabsichtigter Wink mit dem Zaunpfahl auf die gesellschaftlichen Strukturen von heute?

Die 1728 in London auf die Bühne gebrachte Beggar’s Opera, eine Kampfansage an die große Oper italienischen Stils, war eine Sensation. Das Werk stellt nicht Könige, Helden und Götter in den Mittelpunkt, sondern Diebe, Hehler und Huren. Deren verquere Gaunermoral spiegelt – so das Ziel des Librettisten John Gay – die sittliche Verrohung der gesamten Gesellschaft wider.

Die Bearbeitung, das Bühnenstück von Ingo Sax frei nach John Gay auf das heimische Publikum zuzuschneiden, lag wie in den vergangenen Jahren auch bei dieser Aufführung in Edith Stövers Händen. „Berühmt berüchtigte Gassenhauer werden in dieser Oper zu Melodien für das Volk, die diese Oper von Bettlern für Bettler lebendig machen“, erzählt die Berthold Brecht-Liebhaberin, in dessen Drei-Groschen-Oper die sozialkritische Thematik ihre Renaissance findet. Auch die Schatulleure berücksichtigten bei der musikalischen Gestaltung die Nähe zum Publikum. Mit auf die Charaktere abgestimmten eigenen Texten wird die Rahdener Band „The New Foggy Few“ der Aufführung eine besondere musikalische Note verleihen.

„Es geht deftig, derb und nicht gerade zimperlich zu“, verspricht Edith Stöver. „Da ist es für die Darsteller schon angenehmer, möglichst früh in Kostümen zu proben, da die Schauspieler dann noch stärker in ihren Rollen aufleben und die eigene Persönlichkeit hinter sich lassen können.“ Ein Teil der Kostüme ist zugekauft oder aus dem eigenen Bestand zu neuem Leben erweckt, vieles jedoch auch neu genäht.

Alles in allem erwartet die Besucher eine turbulente Aufführung, wenn sich vom 22. bis 24. April um 19 Uhr sowie am Sonntag, 25. April um 18 Uhr an vier Abenden der Vorhang öffnet. Am Sonntag lädt die Stadt Rahden darüber hinaus alle Interessierten zum Tag der offenen Tür in den das neue Kulturzentrum am Bahnhof ein.

Karten gibt es ab sofort nur in der VHS-Geschäftsstelle Espelkamp, Telefon (05772) 97710.
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